Hochzeitsausflug nach Stoppia Nova (Korsika)
- Geschrieben von Barbara & Walter
- September 2, 2009
- Land: Korsika Italien Österreich
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(525 km, 26:50 Std, 19,5 km/h, 2450 Höhenmeter)
Keine Angst ihr habt nichts verpasst - war nicht unsere Hochzeit. Wir wollten wieder mal Radfahren, so sind wir am 16.7. mit dem Zug auf den Brenner. Der Pass ist genau der richtige Punkt um eine Radtour nach Korsika zu starten, denn es geht mal bergab…
Ab Sterzing dann Radweg - der ist aber ein bisserl wie zu fleiß. Auf und ab und hin und her in einem engen Tal wo sich Bundesstrasse, Autobahn und der Zug das wenige ebene Gelände teilen.
Wir sind ein wenig eingerostet, sind ja seit dem Unfall im Iran gute 3 Monate vergangen - doch schon nach den ersten Kilometern und Kurbelumdrehungen wissen wir wieder wie schön Radfahren ist. Genau das richtige für uns.
Der Eisack begleitet uns, was uns im Musikunterricht noch zu unterdrücktem Lachen herausgefordert hat, rauscht friedlich an unserem Zelt, welches wir kurz vor Bozen aufstellen, vorbei. Eine Schwüle sondergleichen liegt in der Luft, Gewitter und Wetterleuchten in der Nacht, wir werden aber vom Regen verschont.
Der zweite Tag verläuft erst wie der erste: dem Fluss entlang am Radweg. In Bozen kommt die Etsch und nimmt den Eisack auf. Viel wird gebaut und so schummeln wir uns durch die Baustellen, für Espresso ist es noch zu früh daher weiter nach Trient.
Begegnen einem kanadischem Paar auf Rennrädern, wenig Gepäck und ein bisserl zu schnell um von ihrem Windschatten zu profitieren. Bei der TouriInfo sehen wir uns wieder und plaudern übers Reisen mit Rad, was sonst.
Am Nachmittag im Supermarkt Unwetterwarnung. Der Kassier meint, bleibt doch hier gleich gehts los, mit Sturm, Regen und Hagel. So das merken wir auch draußen, es donnert und blitzt, wir gehen in die Bar auf ein Bier und dösen auf der überdachten Terrasse.
Nach zwei Stunden ist alles vorbei, die Luft klar und kühl - wir fahren durch die Weinberge und zelten mit Tisch und Bank der Ausblick übers Tal. Eine angenehme Nacht - nach 150 km am Rad schläft sich´s gut.
Tag drei bringt unbeständiges Wetter - einige Regengüsse zwingen uns zu Pausen unterm Dach. Der Gardasee gut besucht. Wir merken es am Stau auf der Küstenstrasse. Vom starken Wind aufgepeitschte Wellen verscheuchen sogar die Surfer. Wir trinken viel Espresso und warten auf trockenes Wetter. Fahren durch die Poebene und kurz vor Cremona schlagen wir im Maisfeld unser Zelt auf.
Als Belohnung für die Anstrengungen des vierten Tags campieren wir am Trebbia.
Ein Fluß nur für uns, nicht nur unsere Leiberl werden gewaschen - wir befreien uns auch selbst von Schweiß und Strassenstaub. Kann es schöneres geben als in der Abenddämmerung am Fluß kochen, den Fischen beim Schnaufen zuschauen, ein kleines Bad vorm Schlafengehen und in der Kühle der Nacht einschlummern. Alles was derart vorteilig ist, hat auch kleine Nachteile, so müssen wir unsere vollbepackten Räder wieder auf die Strasse zurückschieben durch die Büsche und über Stock und Stein. Gelingt uns mit kleineren Kratzern und Ausbesserungsarbeiten am Weg. Die letzten Höhenmeter (1067 werden es noch bis) auf die Passhöhe, ziehen sich mit einem zweiten Frühstück in Ottone nicht ganz so in die Länge. Ottone, in der Bar geführt von einem ältern Mann scheint die Zeit in den letzten 40-50 Jahren stillgestanden zu sein, was BesucherInnen Inventar und Dialoge angeht: “alles wie immer? naja die Hüfte, was soll ich klagen” Ein Ehepaar in einem frisch aufpolliertem weinrotem Alfa, Baujahr 1969 gleitet an uns vorüber, aufrecht und stolz rollen die beiden über die Piaza. Unser Barmann freut sich über die paar Worte italiensich - Privatzimmer hätte er auch und es sei ein ruhiger Ort zum Erholen…
Wir müssen weiter es wartet eine Hochzeit auf uns in Korsika. Das weitere des Tages ist schnell berichtet, angenehme Steigung 5% im Durchschnitt rauf nach Torriglia. Die Abfahrt nach Genua flott, denn viele Tunnels (beleuchtet) sparen uns Weg und Zeit. So treffen wir um 15:00 aufs Meer. Genua-Hafen eine lange riesige Bucht mit Beisl, Yachthafen und allerhand Platz für Einheimische und Touris. Wir finden heut kein Schiff mehr nach Kosika - doch morgen wird ein Schiff kommen. Zimmersuche und Stadtspaziergang. Bei einem 1/8 Weiß mit kleinen Appetizern lassen wir die Leute an uns vorbeischlendern.
KORSIKA
Die Sorge gilt Walters Hinterrad - ein Achter muss zentriert werden. In Bastia sind genug Radgeschäfte und um 3,- Euro schaut alles wieder besser aus. Doch nur für wenige Kilometern, aber das wissen wir noch nicht.
Freuen uns schon auf die FreundInnen und aufs Meer. Die 50 km sind schnell geradelt und am Campingplatz finden wir uns zurecht, wenn auch das Platzerl nicht so angenehm ist wie bei unsere Wildcampingplätze, es gibt Gelsen. Wendelin, 2 Jahre, fürchtet um sein Essen: “der Mann ißt mein Apfelmus…” doch es dauert nicht lang bis Wendelin, Barbara und Walter Freunde werden. Drei Familien sind schon da und geniesen, das Meer, Grillereien, und warten auf die Hochzeit. Nach 2 Tagen und dem reparierten Speichenbruch radeln wir in die Berge.
Gute 1000 Höhenmeter sind zu bewältigen. Vorm Anstieg ein zweites Frühstück und gestärkt von der Quelle (sehr eisenhältig) klettern wir rasch bei grosser Hitze nach Stoppia Nova, um dem Brautpaar noch bei den Vorbereitungen unterstützend zur Seite zu stehen. Es gibt noch genug zu tun und wir packen alle mit an.
Ein Album vom Hochzeitssaal, Wegausbesserungsarbeiten, Deko-Sammeln und viele Kleinigkeiten mehr….
Am Vorabend der Hochzeit proben wir ob wir noch feiern können, der Ort geeignet ist, und und und ..es dauert bis in die Früh. Anschliessend wissen wir: die Hochzeit kann kommen, wir sind bestens vorbereitet. Die Feierlichkeiten selbst finden auf drei Ebenen statt: Der Bürgermeister traut in Quercitello (Ort der 180 Gradkurve) , Agape in Stoppia Nova bei der Kirche und das Fest am Col de Prato. Grob gesagt kann von einer Trennung in Österreicher und Franzosen gesprochen werden, erstere wandern von Ort zu Ort (je ca. 25 Minunten) zweitere bemühen ihre Autos. Alle kommen wir jedoch immer genau richtig zu den jeweilen Schauplätzen und vermischen uns wieder.
Das JA ist deutlich zu hören und nach den Unterschriften und verlesen aller Vor-, Nach- und anderer Namen, wird geküßt und geschossen, daß es eine Freude ist. Somit ist es amtlich Ute und Patrick sind nun Mann und Frau! - 13 Jahre und 2 Kinder sind doch wirklich genug!!!! Wir alle freuen uns schon auf den Imbiß und Umtrunk und wandern rauf nach Stoppia Nova. Köstliche österr. Brötchen mit Kartoffelkäs und Liptauer sowie korsisches Gebäck, Süsses und Wein warten auf uns. Der bestellte Chor für die Gesangseinlage in der Kirche hat aufgrund von übler Verfassung (Trinkgelage am Vorabend) absagen müssen, sodaß kurzfristig die Hochzeitsgäste einspringen.
Eine Mischung aus korsischen Chorälen und Weisen aus Österreich machen sehr viel her. Beschwingt kommen wir rauf auf den Paß “Col de Prato”, die Caterer sind voll am Werken. Wildschwein und Kalbsragout werden als Speisen serviert - doch vorher Vorspeisen und die sind köstlich, Lasagne, Salate Schinken Würste und und und - die lassen Walters Bauch schon fast platzen. Doch das Kalbsragout mit Maronisauce zergeht im Mund. Wahnsinnig köstlich.
Zum Verdauen der Tanz, welcher bis um 5 Uhr morgens dauert.
Der Tag nach der Hochzeit wird mit Baden im Fluss und Aufessen, -trinken und -räumen wieder ganz schön lang. Drei Tage feiern hinterläßt einige nachwehen und so werden diese durch eine Bergwanderung bekämpft. San Petrone ist unser Ziel - durch die Eichenwälder auf 1760m. Leider sehen wir keine Wildschweine aber Sonne und Meer auf beiden Seiten der Insel…
DIE HEIMREISE
von Bastia nach Livorno mit dem Schiff. Für die Orientierung kaufen wir noch eine Landkarte und schon ist unser Ziel wieder Österreich…doch vorher Pisa (ohne zu wollen sind wir doch wieder vorm Turm gelandet), Lucca und dann über die Abbruzzen - uihhhh, das war eine Plackerei bei der Hitze. Aber oben natürlich wieder wunderschön. Abgesehen davon, dass sich der angekündigte Campingplatz nicht finden lässt und wir wieder im Wald wild campieren. Am Weg treffen wir in den kleinen Orten nette Leute, die mit uns plaudern, uns Suesses schenken und uns um 10 Uhr morgens schon Bier anbieten, das wir dankend ablehnen. Lernen, dass nicht nur die Leute in Asien gastfreundlich zu Radlern sind. Obwohl ein bisserl geht uns das verrückte Indien schon ab.
Nachdem wir jetzt wirklich dringend eine Dusche brauchen, mieten wir uns in einer zu einem Hotel umgebauten alten Mühle in San Vito ein und geniessen das Glaserl Wien auf der Piazza. Der letzte Tag ist leider sehr grau und ab San Danielle müssen wir schon ein wenig im Regen fahren. Beschliessen doch nicht mehr bis Villach zu fahren und steigen schon in Tarvis in den Zug nach Wien. Hier lernen wir noch den österreichischen Pensionisten in seiner Gartenlatzhose mit Crox und OBI-Kapperl kennen, der kurz zum Lottospielen aus Himberg angereist ist. Verrückt ist die Welt!! - und wir freuen uns Teil davon zu sein.
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was noch fehlt die Raddaten:
Korsika:
153km, 8:29 Std, durchschnitt 18,0 km/h 1490 Höhenmeter
Heimreise Livorno - Grenze
587 km. 31:02 Std, durchschnitt 18,9 km/h und 2893 Höhenmeter
Gesamt 1.265km 6.840 Höhenmeter
wabarad Am 10. September 2009 um 21:08 Uhr