Karachi (Pak) Iran und das Ende einer RADreise
- Geschrieben von Barbara & Walter
- April 7, 2009
- Land: Iran
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2. April 2009, 10:00 17,4km nach Khonsar auf einer menschen- und autoleeren 4 spurigen Strasse, blauer Himmel, Sonnenschein, von den Bergen blinkt der Schnee - hier endet unsere Radreise. Ein Mototradfahrer schiesst uns ab. Zuerst Barbara, hinten fahrend anschliessend Walter. Die Raeder: Totalschaden, wir leicht plaesiert und geschockt, warten auf die Polizei und Rettung.
Dauert nicht lange und sie sind da. Barbara muss ins Krankenhaus um ihre Hueftschmerzen abklaeren zu lassen. Walter und das Gepaeck fahren mit. In der Rettung wird Barbara auf der Trage liegend ein weiterer blauer Fleck zugefuegt, als sich die Bergtrage aus der Verankung loest und auf sie faellt. Wie in einem schlechten Komikfilm, naja, wir mussten trotzdem ziemlich lachen. Im Krankenhaus werden unsere Verletzungen als Prellungen und Haematome zur Kenntnis genommen und wir werden entlassen. Die Polizei wartet schon mit unserem Restgepaeck und dem was von den Raedern noch ueber ist. Wir kapieren schoen langsam, dass es mit der RADreise nun endgueltig aus ist. Nachdem Walter schon vorher Knieprobleme und etwas lahmte dachten wir, wir muessen die Rueckreise langsam angehen, aber eine Radreise ohne Raeder unmoeglich.
Auf der Polizei ist die Kommunikation eingeschraenkt, unsere 15 Worte Farsi werden von den 10 Worten Englisch der Beamten ergaenzt. Leider gibts keine grosse Ueberschneidung im Wortschatz, es reicht nicht zu ausfuehrlichen Gespraechen, koennen aber trotzdem klarmachen, dass wir zu wenig Landeswaehrung haben um in ein Hotel zu gehen…, ein Internet brauchen, um die Botschaft zu informieren und spaeter auch unsere Angehoerigen. Das alles klappt und die Beamten organisieren alles. Erst ein Internet und anschliessend ein Hotel, wo wir drei Tage gratis bleiben koennen. Im Hotel haben wir auch einen kompetenten Uebersetzer, Hamid, ebenso Gast hilft uns sehr und wir koennen die Protokolle aufsetzen und unterschreiben.
Duschen und etwas rasten, humpeln in die Stadt um zu skypen und die Lieben zu informieren. Pennen die erste Nacht ganz gut, vermeiden die Stellen mit den blauen Flecken…
Im Laufe der Zeit stellt sich heraus, dass unser Unfalllenker weder eine Versicherung noch einen Fuehrerschein hat und obendrein aus einer armen Bauernfamilie kommt, sodass unser Verlust uneinbringbar ist. Wir wollen auch keine Anklage erheben, weil wir nicht das Leben dieser Familie zerstoeren wollen. Am dritten Tag nach dem Unfall sind die Neujahrsfeiertage vorbei wir beschliessen unsern Papierkram vor Gericht, alles beglaubigt und besiegelt - nach vier Stunden sind wir durch und bekommen von der Familie einen Sack mit Nuessen und Mandeln (beides unausgeloest) fuer einen Schaden der sich um die 3.000,- Euro belaeuft, geschenkt. Uns allen faellt ein Stein von Herzen, wir dass wirs fast unbeschadet ueberlebt haben und der Familie, dass ihr Sohn nicht ins Gefaengnis muss.
Aber es gab ja noch eine schoene Zeit vor unserem Unfall, ueber die wir noch zu berichten haben. Nachdem das Grenzgebiet von Iran und Pakistan (Baluchistan) im Moment sehr unsicher ist, sind wir nach Karachi, der groessten Stadt Pakistans geflogen. Unsere Luftpumpe hat am Flughafen ihren Geist aufgegeben - koennen wir spaeter reparieren - mussten daher schieben bis zur naechsten Tankstelle. Eine chaotische Stadt, sehr warm wir machen unsere letzten Einkaeufe fuer die Weiterreise in den Iran, Kopfbedeckung fuer Barbara…. treiben uns auf den Maerkten herum, trinken viel Zuckerrohrsaft. Essen wird schon schwierig, weil hier alles Fleisch ist und Gemuese nicht so hoch im Kurs steht.
Beim Weiterflug haben wir wieder Glueck und muessen fuer die Raeder kein Uebergepaeck bezahlen.
Zwischenlandung in Bahrain mit Wartezeit. Schreiben, lesen und schlafen unsere Maschine nach Shiraz hat Verspaetung. Von den Mitreisenden erfahren wir, dass wir uns auf dem Hoehepunkt der Noruz-Feierlichkeiten (iran. Neujahr) befinden und es schwer werden wird ein Hotel zu finden.
Das alles loest sich, denn wir zelten die erste Nacht im Park wie das viele Iraner waehrend der 13 taegigen Feiertage machen. Flughafenangestellte geleiten uns mit dem Auto hin und wir stellen das Zelt auf und werden gleich zu Tee und Keksen eingeladen. Ein super Einstieg in den Iran - feiern bis 2 in der Frueh. So bleibt es auch die kommenden Tage und wir finden dann sogar relativ einfach ein Hotelzimmer, wo wir mal duschen.
Persepolis, endlich wieder 60km radfahren und wir merken gleich wie bergig der Iran ist. Auch wie voll die Strassen, denn zu den Feiertagen sind die Iraner alle unterwegs. Riesenstau 8 km auf der Zufahrt nach Persepolis.
Wir habens gut und koennen uns vorbeischwindeln. Staub und Gestank bis kurz vor den Ruinen. Polizei und Militaer heben unsere vollbeladenen Raeder ueber die Absperrung und organisieren einen Wachdienst, waehrend wir mit 10-tausenden andern kulturbegeisterten IranerInnen die Ruinen besichtigen. Ein tolles Erlebnis. Anschliessend zelten wir im Wald vor dem Ruinen, kochen uns Nuderln und geniesen den Abend. Werden natuerlich von unseren Nachbarn zu Tee und Schokolade eingeladen. Unser Zeltplatz beherbergt auch noch die Reste der 2.500 Jahrfeier Persiens, wo der Schah eine pompoese Show abzog mit fast ausschliesslich auslaendischen Gaesten, was seine Beliebtheit nicht gerade gesteigert hat.
Auf der Weiterfahrt nach Esfahan meldet sich Walters Knie. Ein Pass und die Schmerzen beginnen wieder. Wir beschliessen umzukehren und so hat uns Shiraz wieder und wir besuchen Sehenswuerdigkeiten oder versuchen es zumindest. Das Hafez-Grabmal koennen wir nur von der Weite bestaunen, denn die Perser lieben ihren Dichter und stroemen zu tausenden an sein Grab. Wir wollen uns nicht so lange anstellen. Um Walters Knie zu schonen nehmen wir den Nachtbus nach Esfahan und kommen geschlaucht in einer der “schoensten Staedte der Welt” an.
Im Regen spazieren wir herum, kalt ist es und so richtige Stimmung will nicht aufkommen. Erst am 2. Tag kommt die Sonne und wir geniesen die Stadt mit ihren wunderbaren Plaetzen, Palaesten, Moscheen und Gaerten.
Das Knie behandeln wir zwischendurch mit Frischkaes, Topfen gibts nicht oder wir wissen nicht wie wir es kaufen koennen. Das Kaesknie bessert sich und so beschliessen wir noch einen Radversuch zu starten.
Aus Esfahan fahren wir mit dem Bus raus. Das Wetter wird immer schlechter, wir naehern uns den Bergen und die Schneegrenze rueckt ebenso unaufhoerlich naeher. Als wir aussteigen hats 8 Grad wir freuen uns wieder auf den Raedern zu sitzen und strampeln los. Gegenwind und ein leichter Anstieg koennen uns die Freude nicht nehmen. Nach einer Stunde setzt leichter Schneefall ein - der sich bis zu Passhoehe in ein flottes Schneetreiben entwickelt. Oben am Pass koennen wir uns im WC ein wenig aufwaermen und sind vor Wind und Wetter geschuetzt, staerken uns mit Tee und Keks bevor wir uns an die eisigkalte Abfahrt machen. Froh sind wir, dass der Schnee auf der Strasse nicht liegen bleibt. Unterkuehlt und mit steifen Fingern rollen wir in Khonsar ein. Im Hotel ist geheizt und die heisse Dusche weckt uns wieder auf - Ortsspaziergang: hier dreht sich alles um Honig, jedes zweite Geschaeft verkauft nur Honig und der ist koestlich. Fuer Restaurantessen ist es zu frueh und im Hotel wird nur Fleisch angeboten, und so kochen wir am Zimmer Spagetti mit Gemuese und gruenem Curry (Geschenk von Birgit) - koestlich. Morgens blauer Himmel, Sonnenschein, von den Bergen blinkt der Schnee so verlassen wir Khonsar bestens gelaunt die Landschaft geniesend… doch nach 49 Minuten ist das alles Geschichte.
Aber es geht weiter - halt per Bus und wir haben nach der Trennung von unseren Raedern auch schon wieder viele schoene Erfahrungen mit Land und Leuten machen duerfen. Fuer unseren Gerichtstag hatten wir eine grosse Hilfe, Reza, er uebersetzt und chauffiert uns auch in Golpayegan herum. Wir schenken ihm schweren Herzens unsere Fahrraeder, oder das was noch von ihnen uebrig ist. Abends sind wir zum Essen bei seiner Familie, Frau und 8 Monate alte Tochter eingeladen. Es gibt vegetarisches Henderl mit Reis und Gemuese. In der Nacht fahren wir zu einer Karavanserei, trinken Tee und Kaffee. Schaut aus wie ein kleines Heimatmuseum, dekoriert mit allerlei landwirtschaftlichem Geraet. Der Kaffee sehr gut. Langsam erholen wir uns von unserem Schock. Eine letzte Nacht im Hotel und morgens bringt uns Reza zum Bus nach Hamedan.
Erst fahren wir “mahmuly” (= einfach) mit einem 40 jahrealten Mercedes-Bus, sehr angenehm mit Flair, wie Busfahren in der Kindheit. Dann mit “Volvo” (= alle modernen Busse) viel schneller bis nach Hamedan. Auf der Busfahrt lernen wir Amir kennen, der uns gleich zu sich nach Hause mitnimmt. Und da sind wir jetzt seit ein paar Tagen. Haben Familienanschluss werden gehegt und verhaetschelt, gefuettert und auf Ausfluege mitgenommen. Besser, die werden extra fuer uns gemacht, Taxi gemietet und schon sind wir unterwegs…
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gut dass “nichts” passiert ist
ihr hattet eine sehr schöne reise bis dahin glaube ich und viele werden euch trotz des etwas verfrühten plötzlichen endes beneiden
liebe grüsse aus wien
hallo peter,
peter Am 7. April 2009 um 15:05 Uhrschoen von dir zu hoeren - ja, mittlerweile sind wir wieder guter dinge und geniessen das ende unserer reise. freuen uns schon auf wien und die freundInnen. gruesse ohne rad waba
Neeee!? Nicht wirklich? Wenn das mal kein spektakulärer Ausgang ist! Glückherrlich ist keinem was passiert? Prima! Fast nichts gilt in diesem Zusammenhang bitte als gar nichts, oder?
Das Lager Leipzig bietet Asyl…!
… wenn ihr mögt?
Seid um eure blauen Flecken lieb drumherum gedrückt!
Ronny & Solvi
hallo ihr zwei! ja, das angebot nehmen wir sehr gerne an!!!! wir freuen uns schon auf das lager in leipzig!!!! und noch viel mehr auf euch!!!! aber da gibt es ja schon e-mails dazu. busserl die wabas
reisende Am 7. April 2009 um 21:21 UhrMir dürstet auch nach vegetarischen Hühnern? Sind das die, die keine Bergziegen reißen? Die Reise scheint eh spannend zu bleiben. Will Allah, dass Ihr auf einem Esel heimkehrt? Merksatz: Die Alternative ist oft die bessere Variante.
Passts weiter auf, dass was Klasses passiert. GrüGü
In diesem Sinn - Lasst es euch gutgehn und Danke für das Miterleben dürfen!!!!!
Andrea
ja, die vegetarischen huehner sind ganz was besonderes….. vielleicht sollten wir da mal einen eigenen bericht darueber schreiben…. mittlerweile haben wir schon wieder vegetarisches huhn aufgetischt bekommen
Guenther Am 9. April 2009 um 00:32 Uhruebrigens, die idee mit dem esel hat uns gut gefallen, haben wir doch schon vor einem jahr an einen ochsenkarren gedacht….. ist auch wieder einiges klasses in der zwischenzeit passiert, aber dazu gibts in den naechsten tagen einen bericht…. bis dann, ganz liebe gruesse nach wien!!!! wir kommen!!!! waba
Hallo Ihr Lieben zu Hause und in der fernen Welt!
wabarad Am 17. April 2009 um 17:42 UhrWir danken Euch allen vielmals fuer die Kommentare und Mails die wir zu unserem Beitrag bekommen haben - und natuerlich auch fuer die vielen Tipps, Wohnungs- und Mitwohnangebote die wir erhalten haben. Waren total geruehrt und freuen uns jetzt schon SEHR aufs nach Hause kommen. bussi baba waba