Pakistan I + Indien, subjektiv

Schon an der Grenze haben wir gemerkt, dass a) Indien und Pakistan nicht gerade befreundet sind und b) wir hier nicht vielen Touris begegnen werden. Zwischen Amritsar und Lahore, beides Millionenstädte und nur 50 km von einander entfernt, sind wir die einzigen Gäste/Kunden am Grenzübergang, der auch nur von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffent hat. Auf indischer Seite kilometerlang LKWs mit Zwiebel, die dürfen nur bis ans Niemandsland heranfahren, da werden sie von blauen indischen Träger entladen, die übergeben an orangene pakistanische Träger, welche auf Paki-LKW laden… das dauert. Der Personenverkehr auch mühsam - wir haben den Vorteil, dass die Grenzer nicht arbeiten wollen, so gelangen wir ohne Durchsuchung aus Indien raus und ebenso nach Paki rein. Beim Ausfahren aus dem Grenzbereich trifft uns Michael, der zu berichten weiss, dass in Lahore am Vortag die Landesregierung gestürtzt wurde und es nicht zu empfehlen ist rein zu fahren. Wir sollen es uns an der Grenze gemütlich machen, es sei hier auch schön.

Ba + Tonga
Tonga - wieder ein neues Verkehrsmittel

Telefonieren gleich mit Andrea in Islamabd und mit dem Guesthouse-Besitzer in Lahore, der meint alles ruhig wir können kommen. um 15:00 gibts eine Demo aber alles nicht so aufregend. Strampeln rein und finden freundliche Leute, die uns den Weg weisen, Polizisten, die sperren das Regierungsviertel ab und so lernen wir über Umleitung mehr von Lahore kennen. Landen unbeschadet im Hotel, finden unser Packerl mit Bremsbelegen und Zahnraedern für Barbaras Werfer. Gehen essen, schauen uns die Demo an und erfahren um was es geht: Zardari gegen die Sharif Brüder, ersterer hat seine Richter entscheiden lassen, dass die letztern nicht mehr mitspielen dürfen in der pakistanischen Demokratie. Jetzt sind die Sharifs aber bös und sie wollen den schwarzen Peter nicht; behaupten der Zardari kennt die Spielregeln nicht, die von der Demokartie, und deshalb legen sie jetzt, zusammen mit anderen versteht sich, das Land lahm, lange Märsche, Demos und Streiks. Andere wie die Taliban wollen das mit der Demokartie eh nicht so, sondern stehen eher auf Koran und Sharia; Zardari versteht vom dem auch wenig, will aber wenigstens im Norden seine Ruhe und hat den Taliban mal das Swat-Tal (150 km von der Hauptstadt) gegeben. Hier dürfen sie wiedermal im Auftrag ihres Gottes und des Pakistanischen Staates das Steinigen und Verstümmeln ausüben. So das ist mal genug für’s erste an Pak-Politik, die armen Menschen, welche hier leben müssen.

Tanzende Derwische2
Tanzende Derwische

Wir besuchen in Lahore noch die donnerstägliche Trommelei mit Tanz, Suffi-tänzer in trance. alles vor einem Schrein, im Hof eines Hauses. Leider alles sehr eng, sodass nicht alle reinkommen können die auch reinwollen. Wir schaffen es dank unseres Führers, kommen in den Genuss von Speis und Nachspeis, Wasser haben wir selber mit. Um 1/2 4 Uhr endlich im Bett doch schon 3 Stunden später wieder auf den Rädern. Fahren nur zum Bus nach Islamabad, denn die Felge von Barbara ist immer noch in Auflösung, hoffen auf eine Neue aus Leipzig.
Fahren die letzten 20 km Islamabad rein, denn der Bus geht nach Rawalpindi. Seit 1961 wird an der Hauptstadt gebaut - riesige Strassen, viel Grün und dazwischen Häuser. Andrea und Nico wohnen sehr nobel, und wir werden abgefüttert. Andrea empfängt uns mit Kaffee und super gutem Essen von Raza, Koch der uns versorgt. Wiedersehen wird gefeiert, Nico und Andrea erzählen vom Leben hier in Pakistan und wir von unserer Reise, da wird die Nacht viel zu kurz. Und alle freuen wir uns es geschafft zu haben. Kommen wollten wir schon vor einem Jahr, hätten uns das türkische Militaer nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht, da war keine Durchkommen im Osten der Türkei/Kurdistan….

Andrea u. Nico, unsere Gastgeber
Andrea u. Nico, unsere Gastgeber


Ausflug auf die Margalla Hills gleich im nördlichen Anschluss an Islamabad. Schauen rüber zum Nanga Parbat - viel Schnee und Fernweh nach den Bergen und Schitouren wird wach.
Treffen die österreichische Exilgemeinde hier in Isamabad, werden zum Essen eingeladen. Kommen in den Genuss österr. Küche Fleischlaibchen und Erdäpfel, Pizza und natürlich auch pakistanische Küche die sich nicht sehr von der indischen unterscheidet. Eine spezielle Vogelnestsuppe aus Indonesien und China wird von Lucas und einem chinesischen Freund serviert. Soll die Lunge reinigen und auch alle anderen Krankheiten kurieren. Der Vogel pickt nach Schwalbenart sein Nest aus Speichelfäden an die Wand…

In Taxila - Jaulian, Locherl im Bauch soll Glueck bringen
Locherl im Bauch soll Glueck bringen

Wir zwei machen noch eine Ausflug nach Taxila (25km östl. von Islamabad.), eine mehr als 3000 Jahre alte Stadt mit Museum. An der Seidenstrasse liegend war Alexander der Grosse schon vor einiger Zeit hier und seine Nachfahren haben die Stadt zu einer Hochblüte gebracht, buddhistisches Kloster und und und…
Andrea und Nico fahren auf Urlaub und ueberlassen uns fuer die Wartezeit auf unsere Felge ihr Haus samt Personal und wir duerfen uns auch ihre Freunde ausborgen. Sonst treiben wir uns noch in Islamabad herum. Museumsbesuche, Moschee und Aussichtspunkt, die Knospe Pakistan erblüht nur noch in Beton - das Land ist eher am Auseinanderberechen…
Sobald die Felge bei uns eingelangt ist, machen wir uns auf den Weg Richtung Süden - wollen nach Karachi. Im Moment wird uns dringend abgeraten die Grenze zwischen Paki und Iran am Landweg zu ueberqueren. Viele haben sich fuer uns erkundigt und sogar Sicherheitsexperten vor Ort wurden zu unserem Plan interviewt. So fliegen wir am 23.03. das Stueck von Karachi nach Shiraz, Iran. Wir nähern uns langsam der Heimat.

Waehrend wir hier auf unsere Felge warten hatten wir genuegend Zeit ueber unser letztes Jahr in Indien nachzudenken. Walter hat die Notizen, die er sich waehrend der letzten Monate machte niedergeschrieben. Nach der ersten Fotogallery von Pakistan gibt es noch einen Auszug davon.

UNSERE ERSTEN TAGE IN PAKISTAN

Paki ZugBa + TongaTrommlerTanzende Derwische1Tanzende Derwische2In TranceAndrea u. Nico, unsere GastgeberIst Hermann Buhl schon oben am Nanga Parbat?Von hier oben koennen wir den NP sehenein schoener Tag auf den Margalla Hillsunser geborgtes HeimEines der vielen AbendessenAndrea und NicoIn Taxila - Jaulian, Locherl im Bauch soll Glueck bringenIn Taxila - SirkapZiegen inmitten d. AusgrabungsgelaendesPaki Radfahrerstaubige StrassenDie Paki-Knospe in Islamabad

INDIEN: Vom spucken und speim oder warum Ikea chancenlos und InderInnen ueberleben werden
(subjektive eindruecke nach einem jahr und mehr 10.000km radfahren in Indien.)

Laerm
… muss eine unbekanntes wort fuer Inder sein. wo unsereins schon an der schmerzgrenze und darueber sich befindet, faengt hier der spass erst so richtig an und weitere geraeuschkullissen werden eroeffnet - meist mit hilfe lausiger Lautsprecher, weit ueber ihrer kapazitaet. Das alles schwingt am grundlaerm: Verkehr mit mehr oder weniger melodioesen hupen, Ausrufern verschiedenster waren und dienstleistungen, musik aus handys, und vieles mehr; dagegen soll nun eine normale menschliche stimme ankaempfen, nicht leicht kann ich dir sagen.
Horn please! Bitte Hupen! Ziert jeden LKW und dieser auffordung kommen sie gerne nach die inder.

Gestank
… der geruchsteppich aus abgasen, pissoire (= brunzeln, praktisch ist jede Mauer für inder dazu da) stallduft hier sind die hendel in der stadt ganz schlimm, kuhscheisse, ziegen auch nicht zu verachten, heisses fett / oel, denn ueberall wird gebrutzelt, wenn nicht suess dann sauer, dazu weihrauch und raeucherstaebschen, schliesslich will Laxmi ja bedient werden. Menschliche fekalien (von Kindern und Maennern) zieren die strassenraender weil viele haeuser keine WC haben, fabriksschlote tun das ihre an duft dazu.

Kuehe
…. mittendrinnen sind die, ueberall streifen sie herum, scheissen alles voll. sie kennen die zeiten der geschaefte und restaurants kommen vorbei und warten auf ihr futter. wenn´s nicht kommt gehen sie auch rein, zum aerger des wirts und freude der touris; oder stehen mitten auf der strasse, egal ob enges gasserl in der stadt oder autobahn und alle weichen aus! Die kuh am gipfel der strassenhirarchie. Der wert der kuh ist hoeher als eine (normales) menschenleben, die entschaedigungszahlung bis zu 10 mal so hoch.

Umweltverschmutzung
…mit freuden wird morgens der (plastik)abfall entzuendet, an den rauchschwaden waermen sich die leute oder kochen sich chai. Irgenwo muss er ja hin der muell und nicht ueberall gibt’s einen fluss der es wegschafft oder einen sandstrand wo graben kinderleicht ist.

Menschenmassen / Ruecksicht
… immer und ueberall, viele leute. da denkst du bei einer pause auf der landstrasse, hier ists gut ein wenig ruhe, doch innerhalb minuten hat´s sich´s herumgesprochen und besuch ist da. zuege und busse auch nicht leicht, da die tueren meist zu eng fuer rein und raus gleichzeitig, denkst du, der inder machts moeglich, einige versuchens auch durch die fenster.

Neugierde
…Die oeffentlichkeit ist maennlich, daher ist der trieb alles, aber besonders das neue anzuschauen, anzugreifen auch maennlich. Maenner starren nicht nur uns und die fahrraeder an sondern wollen auch alles befingern. Leidtragende die frauen, versteckt hinter tuechern, schutzsuchend vor dem spannen, fluechten sie fuer die notdurft ins unterholz, in der finsternis des morgens

Waschen / Waesche
…Immer und ueberall – eine frauenarbeit, die maenner nur als beruf ausfuehren: waescherburschen die hotelwaesche im fluss, bach, teich weiss-schlagen, getrocknet werden lein-, handtuecher und co auf der wiese, oder wo auch das schweinderl sein futter sucht. Die frauen siehst du waschen sobald wasser ins blickfeld kommt, am brunnen, bei einem rinnsal, im brackigem tuempel, die algen mit dem cricketschlaeger vertreibend, mit dem lavour am kopf, mit fuessen im schaffel stampfend, seifend, knetend, schlagend, wringend, meist mit andern frauen jung und alt beim waschen. Straeucher und baeume als trockenstaender nutzend die tropfnasse stuecke werden am abend geerntet oder erst am kommenden tag.

Handy
…nicht wie bei uns ein taschi, hier wird in der hand getragen und quaeckt vor sich hin, bolywood filmmusik vom ziegenhirten bis zum busbegleiter alle lassen die musik laufen, ob im restaurant sogar im tempel. Verzicht unmoeglich – Ruhe als bedrohung. Freisprechmodus versteht sich, anschreien gegen die geraeuschkullisse. Fotoschiessend, picture sir? Please, klar da sind wir gern dabei. Keine ahnung wie viele handyhalter uns mit raeder abgebildet haben.

Reinigungsritual
…morgens, besonders da sind die atemwege vom (fein-)staub verdreckt - eine konzert an husten raeuspern wuergen schneutzen, welches in spucken und (fast)speibem endet. fuer unsere ohren etwas ungustioes, kann diese reinigung 10 minuten und laenger dauern. Wenn geht nase und mund mit wasser reinigen und die zaehne mit einem kleinen astl buersteln, als abschluss die haar in ordung bringen, ungeziefer entfernen, oelen, kaemmen, felchten ab in den turban oder aehnliches…
Wenn sie so weitermachen hier in indien, werden die inder bald ihre lungen zum buersteln nach aussen stuelpen koennen, den schadhaft-giftigen belag wegwaschen und die lunge wieder einschlucken.

Buntheit
….vom tempel zur tankstelle alles schreiende farben. Bunt auch die kleidung, was die farbfotos sinnvoll erscheinen laesst. Schwarz-weiss nur bei der hautfarbe, da halten sie sich streng an die blaesse. Im TV, besonders werbung kannst du nur weisse inder sehen, sogar in der anzeige fuer bleichcremen werden die ohnehin schon weissen immer weisser; ungesund. Ebenso hochzeitsinserate: sehr heller rajput (Krieger-Kaste) sucht passendes eben so helles, kastenmaessig equivalentes maedchen… Hier spielt die farbe eine grosse rolle.

Politik / Krieg / Terror / Tod
…Alles ist moeglich! Ist es das?
In indien fuer leute wie Tata, Modi, L. Prashad, … auf alle faelle. Das recht des staerkeren 70.000 indische $-Millionaere gegen den rest 1,100.000.000 Menschen. Ein langes kapitel (siehe unten) nepotismus und korruption einer anderen dimension. Österreich: da koennen unsere maechtigen was lernen. der unterschied arm – reich dramatischer, weil armut auch sklaverei bis bis zum hungertod bedeuten kann.

Kinderarbeit
…gehoert zum alltaeglichen wie der chai, den kids kochen und servieren. Obwohl verboten, ist indien weit davon entfernt eine gesellschaft ohne kinderarbeit zu werden. Schwunghaft wird mit kindern handel getrieben: aus armen bundesstaaten wie Bihar werden kinder verkauft (auch um das ueberleben der familie zu sichern), in den bergern kommen die kids schon ab 5 ins kloster. In touristen-orten duerfen sie neben arbeiten, beten und singen zur erbauung von uns touristen auch schabanak waehrend der puja fuer die cameras treiben.

Mopeds / Verkehr
…ohne sie waere der transport in indien nicht vorstellbar, mensch und material was alles auf ein moped passt unglaublich. die kleinmotorraeder dominieren das strassenbild, in stadten oft parkprobleme weil sie so viele sind. Obwohl nur fussgaenger, handwaegen, radfahrer, pferde- und ochsenwagen in der hirarchie weiter unten stehen, beherrschen sie die strassen indiens. klar, einem truck oder bus wird platzgemacht, den kuehen sowie so, knattern sie bis zu 7 leute, 4 kids 3 erwachsene mit leichtem gepaeck durchs land.

BettlerInnen
…beim rad fahren nimmt man sie an kreuzungen der ganz grossen staedte wahr. Meist kinder, geschminkt und verkleidet machen sie Kunststuecke, verkaufen stifte, blumen oder aehnliches. Für sie haben wir keks oder bananen, das koennen sie gleich essen.Geld muessen sie abliefern, es steht eine organisation dahinter. Sie haben auch einsatzorte und folgen den touris. Ein „beggarmaster“ koordiniert den einsatz und streift die almosen ein.
Die paria unter den bettlerInnen sind die wittwen, von wiederheiratung ausgeschlossen, haben sie in der indischen gesellschaft verspielt. Oft vegetieren sie in der naehe von tempel sind hoechstens geduldet und auf spenden angewiesen, um zu ueberleben. Die BJP will den frauen/wittwen einreden eine sati zu werden und ihren maenner in den tod (am scheiterhaufen) zu folgen. So koennen frauen hier in indien zu heldinnen werden.

Was mir gefaellt,
…das essen, die gewuerze und immer gratis wasser am tisch.
die tischsitten essen mit den fingern der rechten hand.
freundlichkeit und zufriedenheit der leute
Gastfreundschaft, „der gast ist einer unserer goetter“, wie es ein inder formuliert hat.
Interesse, der moderne touristendialog wird viele male abgefragt.
Indien hat alles vom gebirge bis zum strand
Spiritualitaet bestimmt den alltag
Der langsame verkehr – keine gefaehrliche situation auf mehr als 10.000km rad in indien
für uns billiges Leben, ein mahlzeit „thali“ um 50 Cent, es schmeckt und man wird satt

unsere gastgeberInnen sind mehrheitlich Hindus, das macht einen unterschied. denn diese religion hat originelle braeuche und riten, die hier den alltag bestimmen. Pristermangel ein fremdwort und das ist auch gut so, denn das wohl von mehr als 34.000 goettInnen will betreut sein. Hier kann jede/r singen, gebetemurmelnd mit raeucherstaebchen, feuer und kerzen und weihrauch, hl. oel, blumen und was auch immer seine andacht am morgen und am abend zelebrieren. und sie tun es auch mit unter so intensiv, dass du zu warten hast bis zumindest zwei gottheiten auf dem hausaltar abgefeiert sind: Laxmi und Ganesh (glueck und geld, dafuer sind die beiden zustaendig; errinnert mich an Extra-Breit, “…wir brauchen Glueck und Geld, mehr Glueck und Geld…” die waren sich auch hier) erst dann geht sich ein fruehstueck aus. Wer bei fussballuebertragungen es nicht aushaelt wenn ein spieler nach torerfolg sich bekreuzigt oder seinen ring kuesst, der ist in indien gefordert; hier wird das geld gesegnet und gekuesst, vor jedem tempel angehalten und die schwelle beruehrt, oder eine individuelle ehrbezeugung anderer art aufgefuehrt. Das nicht nur von Cricketstars, sondern sehr vielen. Gerade in zeiten der krise, indiens inflation hat satte 12% erreicht und die grundnahrungsmittel werden teurer, nimmt die spendenfreundigkeit zu. Viele Tempelgesellschaften erfreuen sich an stetig steigenden einnahmen. So sind die wohlhabenden tempelgesellschaften auch mit Reichen besetzt die die entscheidungen treffen.
Leider hat der hinduismus auch ein kehrseite wo sich der spass aufhoert, das kastenwesen, eine gesellschaftliche hirarchie der besonderen art. Oben und meist reich die brahmanen unten arm und sogar mit ihrem schatten verunreinigend die daliten oder unberuehrbaren. zwischen den beiden extremen alle nur erdenklichen abstufungen, einteilungen in schubladen…das verleidet einem den hinduismus gruendlich. so bunt auch die tempel, so einfallsreich, die mit kindlichem eifer durchgefuehrten zerimonien unterscheidet sich diese religion auch nicht von den uebrigen, wurscht ob moslems, christen oder die auserwaehlten juden, jain oder buddisten,… auch hier haben sich die menschen eine rechtfertigung zur ausbeutung und besserstellung geschaffen. das kastenwesen ist offiziell abgeschafft. die regierung bemueht sich mit programmen wie, unteren kasten jobs in der verwaltung zu reservieren. das klapp nicht wie gedacht, fuehrt zu kastenkriegen, wo ganze doerfer abgeschlachtet werden. Jede der gruppen hat ein armee aufgestellt und die fallen selten uebereinander her, sondern viel lieber wueten sie unter unbewaffnet leuten der jeweils anderen kaste.
brahmen und rajput regieren das land seit seiner unabhaengigkeit 1947, sie sind die grossgrundbesitzer und industriellen…korruption und fetternwirtschaft das ist indien. es vergeht kein tag, wo nicht in der zeitung ein korruptionsfall, wahlbetrug, oder aehnliches zu lesen ist. ohne bagshish geht nix - mit aber sehr viel. da werden die gesetze gebogen oder einfacher neue gemacht.
in den 90-er jahren gewinnt die partei des “grossen sozialisten” (Lalu Prashad, aus einer unteren kaste) erstmals eine landtagswahl (Bihar) und stellt eine landesregierung in Padna mit unterstuetzung der moslems. ein ehrgeiziges programm: endlich soll es dem kleine mann besser gehen! wird ins leben gerufen. leider ist nach 15 jahren nicht viel zu sehen. ausgenommen der clan um Lalu, der jetzt das amt des eisenbahnministers bekleidet, seine gemahlin ist jetzt landeshauptfrau, sie kann zwar weder lesen noch schreiben - aber ist das wichtig? wichtig waere das was weitergeht im land und das tut es, aber nach unten. Bihar ist immer noch der aermste bundesstaat indiens, die infrastruktur bricht zusammen, stromabschaltungen sind taeglich mehrere stunden, strassen sind pisten kaum zu befahren, schulen schliessen, denn der lehrer hat alles verkauft was an inventar zu verkaufen war…. dafuehr haben entfuehrungen von wohlhabenden zugenommen, loesegeld erpressung ein gutes geschaeft. Leute aus die Bihar die in anderen Gegenden von Indien arbeitsuchen, sind unerwuenscht, wie es von Politikern (Thuckery Gruender der rechtsextremen partei „shiv sena“, Mumbai) ausgedrueckt wird.

ich will den eindruck vermeiden in oesterreich sei alles besser und europaer (ich) wuessten wie es zu machen ist. Daher erinnere ich nur an die abfangjaeger beschaffung, wo sich vom sportverein, über parteien bis zu den fettern der politikern alle um geld angestellt haben. auch bei uns geht alles besser wenn (geld)-geschenke der ueberzeugung nachhelfen… unser justizwesen ist auch nicht besser, da wurden unter dem namen “operation spring” 1000 jahre haft verhaengt mit urteilen wie “der angeklagte hat an unbekanntem ort, eine unbekannte menge suchtgift an unbekannte personen verkauft” daher drogendealer und 10 jahre knast! beispiele fallen mir genug ein doch moechte ich nicht langweilen.

1,1 Milliarde Menschen und sie werden taeglich mehr – in dem jahr konnten wir die auswirkungen des hohen energiepreises spüren. Erdöl und Gas sind hier staatlich gestützt, und dennoch kletterte der preis fuer den endverbraucher zwischen 10 und 35%. Das alles bei einer inflation von 12% und sehr niedrigen löhnen:

tagelöhner in landwirtschaft, weber, riksha-fahrer, u.ä. < 1,- €/tag.
tagelöhner (Strassenarbeiter), Männer verdienen etwa € 1,50 / Tag, Frauen weniger;
VerkäuferInnen, Friseure, Schneider, Wachdienst 1,5 bis 2,- €
Krankenschwester, kl. Beamte, Fahrer und Hausangestellte gut bezahlt ca. 100,-€ im Monat
Das gilt hier in indien als gute bezahlung und viele wären froh diesen lohn im monat nach Haus bringen zu können.
Nicht viel anders die vielen selbständigen, die ähnliche tätigkeiten ausführen und froh sein muessen wenn sie 100,- Euro /monat erreichen…
Landwirtschaft: ca. 60% der indischen bevölkerung lebt und arbeitet in und von der landwirtschaft. Die bauernselbstmorde haben es ja sogar in die österr. Medien geschafft. 200-tausend bauern haeben in den letzten 10 jahren selbstmord begannen. Wieviele menschen im selben zeitrraum an dürre und der anschliessenden hungersnot gestorben sind, konnte ich nicht herausfinden. Doch hunger ist in Indien allgegenwärtig, 320 Millionen sind davon betroffen. Sie leben auch in den nobelviertl Delhi’s an der Strassenecke unter planen, sammlen feuerholz von den alleebäumen, und leben von abfaellen, almosen von geschaeften und restaurants, ab und zu einen tag arbeit am bau oder strassenkehren… http://www.indiatogether.org bringt einen überblick.

Nano, eine hype nicht nur in Indien auch im rest der Welt. Das billig-auto aus indien, weniger als 2.000,- € eine erfolgsgeschichte des freien unternehmertums mit Herrn Tata an der Spitze.
hier hatte er sich verrechnet – vorerst – bis Hr. Modi einsprang und Nano eine neue heimstätte in Maharashtra anbot. Hier sind keine aufständischen bauern und arbeiter – in Maharashtra herrscht ordnung: die des reichen mannes! also Tata’s und Modi’s ordung. Alles dank der BJP, klerikalhindufaschistische Partei, die unindische Umtriebe anprangert und frauen aus beiseln und bars rausprügelt, weil frau bleibt zuhaus, trinkt und raucht nicht.
Ob dieses minibilligauto auch wirklich ein segen wird fuer seine käufer sein wird, sei dahin gestellt, meine erfahrung auf indiens strassen sagen mir, dass der Nano nur fuer wenige strassen tauglich sein wird – kleine räder und kurzer radstand mit wenig bodenfreiheit werden das billigauto in groessen löchern des strassenbelags verschwinden lassen, die schwellen zur verkehrberuhigung werde ihm zu setzen, wenn nicht überhaupt eine fahrt beenden. Bei der freude mit der inder ihre autos beladen, sowohl mit mensch als material, da wird sich die leichtbauweise nicht positiv auswirken. Kurz eine neues verkehrschild sollte auf die nanotauglichkeit einer strecke/strasse hinweisen, so wie beim radweg vor stufen, muessen halt die insassen zusammenhelfen und tragen.

Indien das land der gegensätze, von hochtechnologie (bemannter mondflug in 3 jahren geplant, unbemannt ist die landung ist schon geglückt) bis finsterster feudalismus, ja fast schlimmer als sklaverei, denn wenn die menschen verhungern stellen sich morgen neue an, das alles in steinwurfweite nebeneinander. Was alles so passiert um gegen diese ungerechtigkeit und ungleichheit anzukämpfen dazu ist ein weiterer artikel in planung, Naxaliten und mehr!

 

Einen Kommentar schreiben

Du mußt angemeldet sein, um kommentieren zu können.

 

2 Kommentare zu “Pakistan I + Indien, subjektiv”

     
  1. Vielen Dank für diesen umfassenden, interessanten und stimmungsvollen bericht! wirklich tolle zusammenfassung und finde ihn sehr objektiv. die frage die sich mir stellt ist ob es jemals eine änderung im kastensystem geben kann. es gab doch vor einigen jahren diesen fischersohn von den “unberührbaren” der es zum staatspräsidenten gebracht hat, hat das nichts verändert bzw. wie war das möglich? manchmal höre ich auch von einer indischen “affarmative action” - wie siehst du das? bewegt sich hier nicht doch etwas, oder sind das ausnahmen bzw. alibi programme um für wählerstimmen?
    bitte noch weitere so tolle berichte! schöne reise noch euch beiden, lg wolfgang

    hallo wolfgang,
    danke für dein lob. zu deinen fragen: ja es gibt sie immer wieder die menschen aus niederen kaste die es “schaffen” sich in der indischen Gesellschaft/Demokratie rauf zu arbeiten/dienen. die mir bekannten beispiele, die auch in der öffentlichkeit stehen, haben keine so grosse breitenwirkung, wie sich das die ausgebeuteten menschen wünschen. es bleibt oft die energie in der machtsicherung hängen. so wie ich es verstanden hab funktionieren die wahlen in indien nach clansystem, du überzeugst den clanchef und seine anhängerInnen wählen automatisch das was er sagt. über 60% der wählerInnen sind in der landwirtschaft tätig und die ist zum gutteil feudalistisch organisiert…
    wir haben auch andere modelle kennengelernt, vor allem in den bergen gibt es viele projekte die frauen unterstützen und den ertrag der kleinen und kleinst betriebe (substistenzwirtschaft) steigern wollen, um so ein auskommen für die familie zu schaffen. die setzen auf poltry-zucht, weil fleisch begehrt und sich verkaufen läßt, ebenso auf energie aus wasser, wind und sonne. tourismus ist auch ein thema. wie es sich angehört hat ein langer steiniger weg.
    “affarmative action” ist in indien seit 2006 gesetz, heißt dass niedere kasten einen teil der staatsposten bekommen sollen. im vielvölkerstaat indien ein schwierige sache, weil sich immer viele benachteiligt fühlen. die reichen fühlen sich um ihre jobmöglichkeiten betrogen und fürchten qualitätsverlust durch schlecht ausgebildete daliten. so kommt es zu regelrechten “castwars”… wenn zB die eisenbahn neue dienstnehmer sucht. anderen gruppen wird der status “benachteiligt” verweigert und die kommen nicht in den genuss von förderungen. kann wie in Maharashtra 08 zu aufständen führen mit vielen toten, denn indiens staatsmacht ist nicht zimperlich in der verwendung von waffengewalt…
    das konfliktpotential indiens ist schier unerschöpflich, eben den sezessionsbestrebungen an allen ecken des landes, ist das kashmirproblem mit Pakistan, die angst vor Nepal und den Maoisten - es gibt in Indien auch viele gebiete die von den Naxaliten beherrscht werden - und die pogrome gegen anders gläubige. Hindus gegen Moselms sehr beliebt, hindus gegen Christen, oder gegen Sikhs… das alles sind instrumente der macht jeder dieser konflikte hat gewinner und verlierer und leute, die das ausnutzen und für die eigene ziele instrumentalisieren.
    wenn ich zeit hab möchte ich dazu mehr schreiben - muss mehr lesen drüber und mit dem erlebten verarbeiten. ein weiterer artikel ist in planung.
    lg walter

      brandy09

  2.  
  3. liebe leute,

    heut ist es so weit: wir sind wieder komplett, will heissen barbaras rad hat eine neue felge alles passt und ist montiert, die probefahrt bestens verlaufen. da kanns morgen weitergehen. unser dank gilt Petra, die uns die felge aus Wien mitgebracht hat! das packerl ist immer noch in Karachi und die andere felge muss wieder retour….
    wir freuen uns auf den Iran, Shiraz wir kommen!

    liebe grüsse an alle
    waba

      wabarad

Beiträge nach Land

 

Beiträge nach Monat